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< D1 in Bonlanden vom 7.9.98 bis zum 11.9.98

Gedanken zum Jahreskonzert

Von: Markus Geiselhart

Liebe Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde!   Der Musikverein hat im Jahr ca. 20 Auftritte, d.h. für Sie 20 Mal die Möglichkeit, Ihren Musikverein zu hören. An allen Auftritten sind wir bemüht, Sie zu unterhalten und auf die Festatmosphäre einzustimmen, sei es die Fasnet, das 1. Mai-Fest, Gartenfest, der Volkstrauertag, Kriegerjahrtag, die kirchlichen Feste oder die Zeltfeste.

Die Vielseitigkeit, die man heute von einem Musikverein verlangt, ist enorm. Kein Sinfonieorchester könnte und möchte da mithalten. Für uns liegt in dieser Vielseitigkeit gerade der Reiz. Es ist unsere Verantwortung und unsere Aufgabe. Wir wollen das kulturelle Leben in Dürmentingen mitgestalten und prägen. Dieser Aufgabe wollen wir uns auch an unserem Jahreskonzert stellen.

Das Jahreskonzert unterscheidet sich von den übrigen Auftritten in dem Punkt, daß hier der Musikverein den Programmrahmen selbst abstecken kann.

Am Kriegerjahrtag müssen und wollen wir feierlich und besinnlich musizieren, an der Fasnet dagegen heiter und beschwingt, traditionell, der schwäbischen Fasnet gerecht werden. Am Maifest sollen wir die ungezwungene Marktatmosphäre unterstreichen und an Fronleichnam eine christlich sakrale Prozession anführen.

Das Jahreskonzert muß verschiedenen Faktoren gerecht werden. Zum einen liegt der Reiz für mich darin, einmal aus dem gewohnten, oben beschriebenen Rahmen zu hüpfen und Ihnen die Musikkapelle anders darzustellen wie Sie sie gewohnt sind, zum anderen aber Tradition zu pflegen und fortzuführen. Des weiteren darf ich Ihnen und vor allem meinen Musikerinnen und Musikern Neues nicht vorenthalten, ja es ist geradezu meine Pflicht als musikalischer Leiter, Ihren Ansprüchen auf Kunst und Kultur gerecht zu werden. Mein größtes Ziel am Jahreskonzert ist es , Ihre Identifikation mit der Musik und dem Musikverein zu stabilisieren und Sie als Publikum zu gewinnen. Wir wollen Ihr Musikverein sein. Mein größtes Kompliment, das ich je in meiner musikalischen Arbeit bekommen habe, waren nicht gute Noten und Ränge, nein es war ein Spruch eines Dürmentingers zwei Wochen nach dem letzten Jahreskonzert. "Aigendlich bene blos ufs Konzert, weil mei Dochter ah Freikad griagd hot - `s nächschte Johr komme wäga dr Muhsig".

Unter diesem Vorsatz will ich Ihnen an unserem Jahreskonzert die Möglichkeiten an Klangfarben einer Musikkapelle zeigen. So liegt es nahe, daß ich bei der Auswahl der Vortragsstücke Literatur auswähle, bei der die Komponisten bewußt das üppige aber auch im Kontrast dazu das sensible, durchschaubare Klangbild eines Blasorchesters herausgesucht haben.

So werden wir im diesjährigen ersten Konzertteil Originalkompositionen für Blasorchester hören.

"Erwachen" ist ein Stück meines Freundes Martin Moser aus Brackenheim/Heilbronn. Er studierte in Heidelberg Musik. Seinem Werk liegen Gefühle und Eindrücke während des Erwachens an einem herrlichen Sommertag zugrunde. Ein lieblich zartes Thema, von den Querflöten vorgestellt, entwickelt sich zu einem fruchtigen Orchesterklangbild.

Das zweite Konzertstück stellt für uns in Interpretation und Verständnis die wohl größte Aufgabe dar. Philippe Dulat ist Dirigent des französischen Polizeimusikkorps und studierter Sinfoniemusiker. Sein Werk "Mouvement Symphonique" widmete er 1989 einem chinesischen Studenten, welcher sich unbewaffnet bei den Studentenunruhen in Peking vor die Panzer stellte und später dafür zu Tode gefoltert wurde.

"Spots" von Klaus-Peter Bruchmann wird unser dritter Vortrag sein. Das Werk hat drei Teile und soll drei verschiedene Ansichten von einem Bild zeigen - nach gut einem Jahr Arbeit in Dürmentingen für mich ein treffliches Bild von Dürmentingen. So müßte man das Werk am Konzertabend vielleicht umbennen in:

"Dürmentingen: Arbeit - Menschen - Feste".

Ein feuriger "Paso Doble" von Alfred Reed soll die ganze Leidenschaft der lateinamerikanischen Musik wiedergeben.

Der erste Konzertteil wird in die Pause geleitet mit dem "Dürmentinger Marsch"

Nach der Pause wollen wir Ihnen ein Portrait von "Wien im 19. Jahrhundert" schenken. Der "Ägyptische Marsch" von Johann Strauß, die Ouvertüre zu "Dichter und Bauer" von Franz von Suppè und der Marsch "Unter dem Doppeladler" sollen das Bild der Musikhochburg Wien im Zeitalter der K. u. K. Monarchie für Sie greifbar machen.

Ihr Anspruch auf "Kunst und Kultur" - ich hoffe wir werden ihm gerecht.

Ihr Markus Geiselhart



Ausgabe: I/1998
Datum: Mittwoch, 7. Januar 1998
Alter: 20 Jahr(e)